Der Weinbrief im Juli - Holunder-Sekt, Apfel-Cidre, Lagrein-Kretzer

& die coolsten Cocktails für die heißesten Tage
Der raue Lagrein Kretzer älterer Prägung war beliebt. Obwohl sein hoher Apfelsäureanteil nicht selten zu Hitzewallungen führte, die in den tiefen Kellern in Handgreiflichkeiten ausarten konnten. Diese Gefahr ist heute (weitgehend) gebannt. Weil unsere gnädigen Kellermeister bei der so genannten zweiten Gärung des Kretzer, bei welcher die harte Apfelsäure zur milderen Milchsäure „abgebaut“ wird, uns viel weniger Apfelsäure zumuten als früher.
 
 
In den 1930er Jahren war unser Kretzer in der Schweiz sehr gefragt (man müsste einmal überprüfen, wie hitzig seinerzeit unsere Nachbarn nach ein paar Viertelen Kretzer aus ihren Weinstuben gegangen sind). Der traditionelle Lagrein-Kretzer erlebt gemeinsam mit anderen Roséweinen eine sagenhafte Renaissance – besonders als gut gekühlter, leichter Sommerwein ist er von den besten Weinkarten der VINUM-Hotels Südtirol nicht mehr wegzudenken. In den letzten Jahren ist weltweit das Interesse für Roséweine deutlich angestiegen. Und es gibt auch hierzulande erste Anzeichen dafür, dass nach und nach ein paar Kellereien wieder Lagrein aus guten Lagen „kretzern“. Der weinkundige Volkskundler Karl Theodor Hoeniger, ein Lagrein-Kretzer-Freund der vorvergangenen Generation, hat uns in seiner „Weinfibel“ die sanfteste Warnung vor dem Kretzer hinterlassen: Vorsicht beim Heimgang, mahnte Hoeniger sinngemäß, der Kretzer haut einem die Beine weg. Wenn man zuviel von diesem süffigen, gut gekühlten Roséwein trinkt. Aber gerade weil der Kretzer leicht gekühlt getrunken wird und da man dem kühlen Wein seinen Alkoholgehalt nicht so schnell anmerkt – und da er immer noch eine kräftige Apfelsäure aufweist, taugt der Lagrein Kretzer unserer Tage absolut für das sogenannte Frühlings- oder Sommergefühl ... Karl Theodor Hoeniger würde es wahrscheinlich deutlicher formulieren: der Kretzer ist ein fantastischer Aufrisswein!

Eigentlich gehört ein großer Teil unserer Ärzte zu den Weinliebhabern. Eigentlich ist Wein eines der ältesten Hausmittel gegen allerlei Beschwerden. Besonders, wenn es sich um Bio-Sekt handelt! Der Salurner-Neumarkter Franz Egger gehört zu den Wegbereitern des nach klassischer Methode, also in der Flasche vergorenen Südtiroler Bio-Apfelsekts – mit Elefantengeduld hat Egger seinen außergewöhnlichen Sekt anfänglich auch auf den so genannten konventionellen Standplätzen verkauft. Inzwischen ist die Nachfrage nach Bio-Wein und Bio-Sekt auch in Südtirol deutlich angestiegen – nicht zuletzt ein Verdienst der VINUM-Hotels Südtirol! Franz Egger ist ein experimentierfreudiger Sektmensch: er macht Apfelmost, der zusammen mit Holunderblüten in der Flasche vergoren wird, außerdem auch einen Apfel-Ingwer-Sekt, der markant an Cidre von der Bretagne und Südengland erinnert.

Aber in den heißesten Tagen des Jahres freut man sich ebenso auf Südtiroler Fruchtsäfte wie zum Beispiel die Bergapfelsäfte von Kohl: Thomas Kohl produziert sortenreine Gourmet -Bergapfelsäfte und Apfelsäfte, die mit einer weiteren Frucht, Beere oder Auszüge spannender Aromen kombiniert werden. Seine Produkte sind mittlerweile weit über die Grenzen Südtirols hinaus bekannt und beliebt. Angeboten werden sie im Genussladen vor Ort in Unterinn am Ritten, oder in verschiedenen ausgewählten Feinkostläden und Restaurants in ganz Europa – und natürlich auch in den VINUM-Hotels Südtirol. „Die beste Qualität fängt schon bei der Auswahl der Zutaten an“, sagt Thomas Kohl, erster Apfelsaft Affineur Italiens. „Ich mache keine Kompromisse. Unsere Äpfel werden von Hand in zwei bis drei Durchgängen zwischen August und Oktober geerntet. Die Höhenlage von fast 1.000 m Meereshöhe verschafft uns gegenüber von Früchten aus dem Tal den Vorteil, dass unsere Säfte neben der Süße auch eine ausgewogene Säure besitzen und somit sehr interessante Speisenbegleiter sind.“ Für seine Kombination Bergapfelsaft und Karotte konnte Kohl kürzlich in Niederösterreich "Die Goldene Birne" entgegen nehmen, europaweit die bedeutendste Produktprämierung im Bereich Säfte
 
 
Der VINUM-Hotel Weinbrief im August:
Edmund Mach – Der Mann, der vor 150 Jahren die Tiroler Weinlandschaft revolutionierte

1874 wurde in San Michele die landeswirtschaftliche Lehranstalt gegründet – unter der Leitung von Edmund Mach, dem herausragenden Önologen seiner Epoche. Mach war ein Glücksfall für das Trentino, für Südtirol und für die gesamte K.u.K.-Monarchie . Mach leitete die Renaissance im Tiroler Weinbau ein: er regte die Einführung neuer Sorten aus Frankreich an, er entwickelte neue Methoden im Weinbau und im Keller und er unterstützte die den Händlern ausgelieferten Kleinbauern zur Gründung von Kellereigenossenschaften. Und wenn wir heute von bekannten (Cabernet Sauvignon, C. Franc, Merlot) und vielleicht weniger bekannten französischen Sorten (Petit Manseng, Petit Verdot, Grenache, Syrah) hören, die in exzellenten & hoch dekorierten Südtiroler Weinen enthalten sind, dann haben wir das Edmund Mach zu verdanken, der die Erforschung, Pflanzung & Verbreitung neuer, interessanter Rebsorten in unserem Gebiet begründet hat. Der VINUM-Hotels Südtirol Weinbrief im August ist dem genialen Weinpionier Edmund Mach gewidmet!