„Spontangärung, Amphorenwein, Experimente“

die neuen Südtiroler Naturweine im Rampenlicht
Wein-Professor Rainer Zierock ist nach einem viel zu kurzen, sehr bewegten Leben im Jahre 2009 verstorben.
Reiner als der Wein vom Rainer ist keiner -, das sagten selbst seine schärfsten Kritiker, die mit dem Gedanken an Naturwein nicht so recht viel anfangen konnten. Vielleicht war der Wein-Professor (zuerst in Montpellier,
später in San Michele) Zierock seiner Zeit um 20, 30 Jahre voraus: als er gestorben ist wurden Naturweine entweder angefeindet, bestenfalls belächelt – inzwischen sind auch in Südtirol mehrere Jung-Weinbauern auf den Naturgeschmack gekommen, schwören auf Spontan-Gärung & misstrauen dem Einsatz von zu viel Kellertechnik. Manchen von ihnen gilt Rainer Zierock als wichtiger Impulsgeber, beinahe als geistiger (Naturwein)Vater.

Der Vinum Hotels Südtirol Weinbrief im Februar ist den wagemutigen Südtiroler Naturwein-Gewächsen gewidmet!
 
 
Zierocks letztes Wein-Projekt war der Sackerhof, ein aus dem 13. Jahrhundert stammender, ursprünglich im Kurienbesitz befindlicher Bauernhof in Unterinn: finanziell großzügig unterstützt von der Besitzerin Dr. Margret Hubmann konnte Zierock hier seinen Traum vom natürlichen „Universalwein“ realisieren – neben internat. Sorten wie Gewürztraminer, Riesling, Ruländer pflanzte er über 150 griechische Rebsorten für eine weiße („Dolomytos“) und eine rote Cuvée („Skythos“). Der erste Jahrgang, der 2000er, wurde nach 4 Jahren abgefüllt -, leider besaß der Naturphilosoph Zierock kein großes Verkaufstalent.

Vor 7 Jahren haben Bruni und ihr Vater Norbert Marginter den verwunschen-verwachsenen Weinhof erstanden, gerautet, die historischen Zierock-Flaschen aus dem Einsturz-gefährdeten „Keller-Tunnel“ ausgebuddelt & gerettet & die Arbeit in Weinberg & Keller nach dem Geiste von Rainer Zierock weiter geführt. Vor kurzem wurde der gerade in den Verkauf kommende Jahrgang 2015 präsentiert – mit einer Neuheit: „Amphora“, ein in der Amphore eingekellerter Wein, ein „blend“ der Jahrgänge 2014 & ´16, von dem ein Teil in der Glasflasche abgefüllt wurde & der andere im Tongefäß, der originell wie ein kleiner „Steinhäger“ im Weinregal der Önotheken zu finden sein wird. Die Marginters können sich über den Absatz ihres hochwertigen, auch hochpreisigen Naturweines nicht beklagen – die Strahlkraft von Rainer Zierock & seinen sagenhaft-langlebigen „Dolomytos“-Weinen ist ungebrochen.

Nach bemerkenswerten Erfolgen mit Weißburgunder, Merlot und Blauburgunder konnte der St. Paulsner Kellermeister Wolfgang Tratter endlich eine verrückte Spielerei durchsetzen: einen Weißburgunder quasi nach georgischem Urwein-Vorbild, einen St. Paulsner Steile-Leitn-Weißburgunder von über 90 Jahre alten Reben in handgemachten Ton-Amphoren einzukellern! Und dort ähnlich lange gären zu lassen, wie das ein georgischer Kellermeister mit seinem „Qvevri“ (georgische Riesen-Amphoren mit bis zu 2000 Liter Fassungsvermögen), machen würde. Sein Name, passend zum Dorf Sankt Pauls: „Sanctissimus“, der Allerheiligste: 2 Monate Maischegärung in der Amphore, danach ein ganzes Jahr Lagerung wieder in der Amphore. Die Renaissance des Naturbelassenen ist geglückt.

Der 2015er „Sanctissimus“ ist ausgetrunken, der 2017er kommt im Frühherbst auf den Markt, die Fassprobe in der Kellerei St. Pauls verspricht einen nussig-salzigen, eminent frischen Weißburgunder mit georgischen Anleihen und Südtiroler Prägung!
 
 
Der Vinum Hotels Weinbrief im März
„Solidarität, Zusammenhalt in schwierigen Zeiten!“ –
Die 12 Südtiroler Kellereigenossenschaften im Porträt


Edmund Mach – 1874 Gründungsdirektor der landwirtschaftlichen Landeslehranstalt St. Michael an der Etsch - gilt als herausragender Förderer des Südtiroler Genossenschaftswesens des 19. Jahrhunderts. 1893 entstand in Andrian die erste Kellereigenossenschaft Südtirols, schon im Jahr 1900 schlossen sich die bis dahin gegründeten sieben Genossenschaften im Verband der Kellereigenossenschaften zusammen.



Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten viele Tiroler Weinbauern am Rande des Existenzminimums -, zumeist Klein- oder Kleinstbauern, waren sie den großen, mächtigen Weinhändlern auf Gedeih & Verderb ausgeliefert. Durch den, von Mach initiierten, genossenschaftlichen Zusammenschluss konnten auch die Kleinbauern ihr wirtschaftliches Glück langsam, langsam in die eigenen Hände legen.

Der Vinum Hotels Südtirol Weinbrief im März ist den Südtiroler Kellerei-Genossenschaften gewidmet, deren starker Zusammenhalt seit vielen Generationen das Überleben auch in schwierigsten Zeiten gesichert hat!