Schwierige Weinkombinationen

Wein mit Kastanien, Artischocken, „Finocchiona“ oder Speck
Alles kann irgendwie gut zusammen passen. Man muss nur probieren, probieren und wieder probieren. Sagt Hugh Johnson, der englische Grandseigneur und erfolgreichste Weinautor der Welt. Der Mann hat Humor.

Auf die Frage eines hartnäckigen Interviewers, warum er früher strikt dagegen war, Riesling zu französischem Grünschimmelkäse zu trinken, antwortete er: „So? Hab ich das tatsächlich geschrieben? Das macht nichts, heute denke ich ganz anders, Riesling passt wunderbar zu Roquefort! Das müssen Sie unbedingt einmal probieren!
  
Glauben Sie ungeprüft immer alles, was Weinautoren empfehlen?“ – Wahrscheinlich würde Hugh Johnson in unseren Breitengraden im Herbst auch einmal einen „Most“ oder einen „Nujen“/Jungwein zu Bratkastanien probieren. Warum nicht. Denn: Spätestens nach der fünften oder sechsten, „trocken“ hinunter gewürgten Bratkastanie würde auch der zugereiste Hugh Johnson erkennen, dass der Mensch – Kastanien-technisch betrachtet – eine Fehlkonstruktion ist: jeglicher Speichelfluss bleibt aus, die zerkauten Kastanien verdichten sich im Mund gnadenlos zur „Papp“, da hilft nur ein ordentlicher Schluck „Siaßer“/Most oder richtig durch gegorener „Nujer“/Jungwein.

Wir machen einen Zeitsprung in die Toskana der Renaissance: es ist die Zeit, in der die berühmte „Finocchiona“, die mit wilden Fenchelsamen gewürzte Wurst entstanden ist. Vor jedem größeren Weingeschäft haben die toskanischen Weinhändler ihren Kunden v-o-r der Weinprobe reichlich „Finocchiona“ angeboten -, weil der wilde Fenchelgeschmack viel intensiver als jeder Weinfehler im und am Gaumen hängen bleibt … so konnte man seinen Wein leichter als Spitzenwein verkaufen.

In unseren Breitengraden war bei den wichtigen Kellerpartien immer der Speck sehr hilfreich. Besonders sehr „wíacher“, also ordentlich weißer Fettspeck konnte die Magenwände unserer Urgroß- bzw. Großeltern schützen gegen alle wuchtigen Säuren (besonders die „flüchtige“) der damals häufig aggressiven Weine.


 
 
Ja, welcher Wein passt denn zu welchem Essen?

Wenn wir Wein-Novizen sind, dann sind wir wohl bei unserem Eintritt in die große, weite, unbekannte Weinwelt auf Gedeih und Verderb unserem Weinkellner, unserer Weinkellnerin ausgeliefert. Gute wie auch böse Sommeliers können im Grunde mit uns alles tun und lassen, wie es ihnen beliebt.

Wir sind froh über die professionellen Empfehlungen, die wir vom Weinkellner oder von der Weinkellnerin in den Vinum Hotels Südtirol erhalten:

zu Vorspeisen leichte, trockene Weißweine – zu Suppe oder Salat manchmal sogar keinen Wein! Insbesondere mit der Säure der Salatsauce verträgt sich der Wein nicht gut.

Fische und Meeresfrüchte: leichte, trockene, frische Weißweine
wie zu den Vorspeisen.

Zu Salzwasserfischen und Meeresfrüchten eher kräftige Weine: Sylvaner Spätlese, Pinot Grigio aus dem Unterland, Sauvignon mit Barrique-Ausbau wie der Terlaner „Quarz“.

Ein schwieriges Thema in der Gastronomie sind Artischockengerichte – diese wunderschöne Pflanze schmeckt köstlich bis zum Fingerabschlecken, aber mit welchem Weißwein soll man gegen den wuchtigen Artischockengeschmack ankämpfen? Ein erfahrener Weinkellner von den Vinum Hotels Südtirol wird wohl einen stark „barriquierten“ Chardonnay empfehlen – denn die Artischocke wirkt wie ein geschmackliches „Löschpapier“, sie nimmt dem Wein den kräftigen Eichenholzgeschmack. Nach einer Artischocke schmeckt auch ein „barrique-iertester“ Chardonnay mehr nach Wein als nach … Holz. Voilá!

Alles kann irgendwie gut zusammen passen! Man muss nur probieren, probieren und wieder probieren. Sagt der große Hugh Johnson.
 
 
Der Vinum Hotels Weinbrief im Oktober:
„Vernatsch, Lagrein, Blauburgunder, Weißburgunder, Gewürztraminer, Sauvignon, Pinot Grigio“ - die unglaubliche Sortenvielfalt in der Südtiroler Wein-Landschaft!

Mit einem Rekord hat unsere Weinwirtschaft manchmal Bauchweh: in Südtirol gibt es über 2 Dutzend Rebsorten. Das ist – gemessen an der kleinen Anbaufläche – Weltrekord. Denn die kleinen Sorten, sagen junge Weinmanager, lassen sich nur schwer vermarkten. Aber gerade diese Kleinen, sagen renommierte internationale Weinjournalisten, waren immer schon das Salz in der Südtiroler Weinsuppe.

Der Vinum Hotels Südtirol Weinbrief im Oktober ist der famosen, bunten Südtiroler Rebsorten-Vielfalt gewidmet!