Legendäre Südtiroler Kellermeister

Friedrich Boscarolli, Sebastian Stocker und Hans Terzer - die Pioniere des Wein-Wunders im Porträt
Die besten Südtiroler Kellermeister wussten immer schon, dass Südtiroler Wein enormes Potential hat. Und dass gute Jahrgänge und Weine aus exzellenten Lagen richtig alt werden können.

Die Vinum Hotel Weingeschichte im August ist eine Hommage an den Meraner Friedrich Boscarolli, an den Terlaner Sebastian Stocker und an den Unterlandler Hans Terzer – drei Südtiroler Ausnahme-Kellermeister, die ihrer Zeit immer einen Schritt voraus waren und geblieben sind.
 
 
Noch vor 20, 25 Jahren herrschte in Südtirol eine Art „Frischwein-Diktat“ vor. Wer in seinen Kellerräumen noch ältere Jahrgänge auf Lager hatte, galt in der Regel als hoffnungslos schlechter Verkäufer. „Südtiroler Wein gehört jung getrunken!“, bläuten die Weinhändler selbst den Wirtsleuten ein, die wiederum ihre Weinkarten dahingehend zusammenstellten. Ältere Wein-Jahrgänge fand man nur in speziellen Gaststätten. Aber natürlich wussten die besten Südtiroler Kellermeister immer schon, dass gute Jahrgänge, Weine aus exzellenten Lagen richtig alt werden können. Je nach Position und Ansehen eines Kellermeisters in seinem Betrieb konnte eine gewisse kleine Menge von Flaschen entweder mit Erlaubnis des Weinchefs gehortet und gelagert werden oder dies musste geheim geschehen.

Das bekannteste Beispiel hiervon ist Sebastian Stocker. Er gehört längst zu den Südtiroler Weinlegenden.
Sebastian Stocker hat Jahr für Jahr eine beachtliche Flaschenmenge im tiefen Keller der Kellereigenossenschaft Terlan verstecken lassen. Geheim, weil ihm der Vorstand das Bunkern nie genehmigt hätte. Stocker war, zum großen Glück für seine Nachfolger & für alle Südtiroler Weinbeißer, von der Langlebigkeit der Terlaner Weine absolut überzeugt. Wer die Gelegenheit gehabt hat, von den ältesten Stocker-Weinen einen Schluck machen zu dürfen, hat einen sehr guten 1956er und einen überragenden 1959er Weißburgunder in bestem Andenken – nach über 50 Jahren Lagerzeit!
Durch diverse Meraner Wein-Senioren ist überliefert, dass Sebastian Stocker in der Passerstadt bereits zwei Generationen früher einen Vorläufer hatte.

Der Weinbaupionier Friedrich Boscarolli, von 1866 bis zu seinem Tode im Jahre 1908 Besitzer von Schloss Rametz, hat dort legendär gute Meraner Hügel und Blauburgunder eingekellert. Von den besten Jahrgängen hat sich der innovative Weinfachmann (er führte unter anderem den Drahtrahmenbau in niederer Erziehungsform der Reben ein) viele Flaschen im tiefen Schlosskeller aufbewahrt. Die letzten guten bis exzellenten Blauburgunder sollen sich bis in die 1960er Jahre hinein gut trinkbar gehalten haben.

Der bedeutendste Südtiroler Kellermeister der letzten drei Jahrzehnte ist der ebenso explosive wie kreative Unterlandler Hans Terzer.
  
Sein Berufsleben in Pillenform:
  • geboren 1956 in Entiklar/Kurtatsch
  • erste Keller-„Formung“ in der renommierten Privatkellerei Tiefenbrunner (ebenfalls Entiklar)
  • Wechsel in die Laimburg, wo er, noch nicht 20jährig, bereits als Diamant im Keller gilt
  • 1977 schließlich wird er regierender Kellermeister zu St. Michael-Eppan, wo er sich selbst und den gesamten Betrieb zum Brillanten schleift
  • In den 90er Jahren wird Terzer zum Präsidenten der Südtiroler Kellermeistervereinigung gewählt
  • Im Jahre 2000 setzt der „Gambero Rosso“ der Kellerei St. Michael die Krone auf und wählt sie zur besten Kellerei Italiens

Aber deshalb ist Hans Terzer noch lange nicht an seinem Ziel angelangt. So einer wie er wird immer unterwegs sein – mit neuen Wein-Ideen und mit visionären Konzepten der Vermarktung. Hans Terzer war die treibende Kraft bei der großflächigen Umstrukturierung des Weingebietes Südtirol, als in den letzten Jahren rote Sorten zugunsten von weißen Trendsorten gerodet wurden, von denen sich die Weinwirtschaft bessere Absatzmöglichkeiten erwarten darf. Und mit der großen Weißwein-Cuvée „Appius“ (70% Chardonnay, der Rest setzt sich aus Weißburgunder und Sauvignon zusammen) hat der Wein-Magier eine Grande Cuvée internationalen Formats geschaffen. Zitat Hans Terzer: „Wir wollen aus unseren Toplagen das Beste herausholen und uns mit den anerkanntesten Weinanbaugebieten dieser Welt auf gleicher Augenhöhe messen! Diese weiße Cuvée begeistert durch brillante Finesse, gepaart mit vielschichtiger reifer Frucht und cremiger Mineralität“.
 
 
Die Vinum Hotel Weingeschichte im September:

Prädikat „Berg-Wein“! Hochgenuss aus Südtiroler Extrem-Weinberglagen
Der erste Südtiroler Pionier-Kellermeister, der an das große Lagenpotential in beachtlicher Höhenlage geglaubt hatte, war der Entiklarer Herbert Tiefenbrunner mit seinem „Feldmarschall“, einem Müller Thurgau, der auf über 1.000 Höhenmeter am Unterlandler Fennberg gedeiht. In den letzten Jahren ist, bedingt durch den Klimawandel, der Südtiroler Weinbau kontinuierlich in höhere Regionen hinauf gewandert. Die Vinum Hotel Weingeschichte im September spürt den neuen Südtiroler Höhen-Weinen nach!