Der Weinbrief im Januar - Die grandiosen Süßen aus der kleinen Flasche

Die international renommierten Südtiroler Dessert-Weine
Bis vor 15 oder 20 Jahren war das Weinland Südtirol mit Sicherheit in der globalen Weinszene nicht als Süßwein-Größe bekannt. Jedoch ist mit dem allgemeinen Aufschwung des Südtiroler Weines auch ein gewisser Dessertwein-Stolz entstanden. Der Weinbrief im Jänner ist den wunderbaren Südtiroler Dessertweinen gewidmet, die in allen VINUM-Hotels Südtirol als Kellerschätze schlummern und auf neugierige wie erfahrene „Weinbeißer“ warten. Prosit! Santé! Zum Wohl!
 
 
Natürlich ist hier die Rede von Nischenprodukten, denn unsere Kellereien werden auch in 15, 20 Jahren gewiss keine Süßwein-Großproduzenten werden. Es wird bei homöopathischen Kleinproduktionen bleiben. Aber die sind gut, teilweise verdammt gut, wie die Goldmuskateller „Vinalia“ (Kellerei Bozen), „Quintessenz“ (K. Kaltern), „Sissi“ (K. Meran Burggräfler). Und im Zuge des (zum Glück!) immer noch anhaltenden Gewürztraminer-Verkaufsrausch haben ein paar hiesige Önologen gezielt mit gewagten restsüßen Varianten gepunktet. Die meisten gehen da auf Nummer sicher, das heißt sie lassen die Trauben zwar einigermaßen lange am Rebstock, riskieren jedoch keine Regenperiode im Herbst & ernten sie deshalb so Ende Oktober/Anfang November, um sie in der Folge an luftigen Orten & in Kisten verbracht noch länger eintrocknen zu lassen. Beim Einkellern im Dezember oder gar im darauffolgenden Kalenderjahr ergibt das einen klassischen „passito“ oder eben das, was in Ö bzw. BRD Trockenbeeren-Auslese genannt wird. Sehr süß, jedoch meistens auch: sehr gut, bis unwiderstehlich -, besonders, wenn ein Blau- oder Grünschimmelkäse mit dazu gereicht wird (Gorgonzola al naturale; Roquefort usw.). Die unerschrockenen Traminer Genossen lassen ihre ausgesuchten G`würzer sogar am Rebstock einschrumpeln, bei jedem Wind & Wetter & bei (fast) jeder Kälte. Manchmal steigen dann günstige Herbstnebel auf, welche genug Feuchtigkeit bringen, dass sich auf den Trauben Edelfäule bildet. Dann glänzen die Äuglein des Kellermeisters, weil er weiß, dass er wieder einen herausragenden Dessertwein einkellern kann: in den besten Jahrgängen ist dieser Gewürztraminer Passito „Terminum“ mit Abstand Klassenbester, was auch von den Kellermeister-Kollegen neidlos anerkannt wird.

Der Rosenmuskateller, Südtirols einziger roter Dessertwein, kam im Jahre 1850 nach Südtirol, als die Fürstenfamilie Campofranco – die Vorfahren des heutigen Besitzers Graf Georg von Kuenburg – von Sizilien nach Kaltern auf Schloss Sallegg übersiedelte. Auf Geheiß der Fürstin wurden etliche Moscato-Rosa-Reben mitgenommen und in die wärmste Erde am Kalterer See gesetzt, wo sie prächtig gediehen. Etwa zwanzig Jahre später gab es auch im Trentino kleine Moscato-Rosa-Anlagen, höchstwahrscheinlich wurden diese Reben aus Dalmatien eingeführt. Im ersten Jahrhundert seiner Welsch- und Südtiroler Existenz gab es für den süßen, teuren Rosenmuskateller keinen Markt, deshalb kellerten ihn Schlosskellereien (Tiefenbrunner, Sallegg, Schwanburg), Klöster (Neustift) oder begüterte Weinfamilien (Walch, Elzenbaum, Waldgrieser) mehr für den Eigenbedarf ein. Heute sind in Südtirol lediglich 9 Hektar mit Rosenmuskateller bepflanzt. Dieser sizilianische Gast – der in seiner Ur-Heimat längst ausgestorben ist! – stellt hohe Ansprüche an seine neue Heimat, er will sehr warme und trockene Lagen und er fordert geduldige Betreuung im Weinberg. Muri Gries hat seinen Rosenmuskateller in der Bozner Kaiserau stehen. Der feine Dessertwein ist zur Hälfte im kleinen und zur Hälfte im großen Holzfass ausgebaut. Er bekommt dadurch eine starke Intensität, ist kompakt, mit dunklem Rosenduft, Gewürz- und Trockenfruchtaromen und einem leichten Anflug von Edelschimmel. Ein grandioser Rosenmuskateller, der in den VINUM-Hotels Südtirol als Begleiter für die berühmtesten Südtiroler Nachspeisen empfohlen wird.
 
 
Der VINUM-Hotel Weinbrief im Februar:
„Der Blauburgunder-Himmel auf Mazon“ – Die beste Lage für den elegantesten Rotwein

Als der Chemieprofessor Ludwig Barth Ritter zu Barthenau (geboren in Rovereto anno 1839), ein Riese wie man ihn zu seiner Zeit nie in Hörsälen gesehen („gleich hoch entwickelt an Körper und an Geist“), im 52. Lebensjahre in Wien starb, war er auf dem Gebiet der organischen Chemie einer der bekanntesten Wissenschaftler im deutschen Sprachraum. Ein Spezialist, eine Koryphäe, ein Kapazunder. Es gab viele Nachrufe, Biografien wurden verfasst, 2 Marmorbüsten erinnern in Wien heute noch an den mächtigen Ritter Ludwig, der in seiner Jugend dicke Eisenstangen mit bloßen Händen verbiegen konnte.

In Südtirol hat sich der Professor ein anderes Denkmal gesetzt, das die Jahrhunderte überdauern wird: auf seinem Ansitz Barthenau in Mazon (Neumarkt) ließ er Blauburgunderreben pflanzen – vielleicht dem Beispiel Erzherzog Johanns folgend, der gegen 1850 die ersten Reben dieser edlen roten Burgundersorte bei Schenna anlegte. Eine Pioniertat – heute gilt die Terrassenlage von Mazon vielen Weinexperten als einer der besten Blauburgunder-Klein-„crus“ außerhalb von Burgund. Der VINUM-Hotel Südtirol-Weinbrief im Februar spürt den Geheimnisse des elegantesten Rotweines in Südtirol nach.