Der Weinbrief im Jänner: Alles Magnum!

Die großen Südtiroler Weine im Großformat
Gute Weine, sagte der legendäre Weinkenner Hugh Johnson einmal in einem Interview, müssen keine Antworten geben – sie sollen Fragen stellen. „In Großflaschen entwickeln sich auch einfache Weine hervorragend“, schreibt der Kolumnist Manfred Klimek, der von sich selbst sagt, er habe ein populistisches Weinverständnis mit individueller Note. Und weiter: „Letztes Weihnachten hatten wir eine Doppelmagnum des recht simpel gestrickten Tenute-Chiantis von Antinori, eines feinen Alltagsweins eines großen Hauses. Doch in der Doppelmagnum aus dem Jahr 1995 war er ein echter Hammer. Fruchtig, gewichtig, balanciert. Und reif. Ein unfassbares Trinkvergnügen. Für knapp 170 Euro. Alle am Tisch waren begeistert.“ Der VINUM-Hotels Südtirol Weinbrief im Jänner ist den hervorragenden Weinen im Großformat gewidmet!
 
 
Früher hat man bei mehr oder weniger gehobenen Festivitäten die mehr oder weniger biedere Weinflasche lieber in eine hübsch verzierte, manchmal mit Ornamenten geritzte, durchsichtige Flasche umgefüllt. Heute freuen sich Gesellschaften, die von der Tauffeier bis zur würdevollen Verabschiedung eines gerade nach 109 Lebensjahren verstorbenen lieben Freundes zusammengekommen sind, viel mehr auf großformatige Flaschen. Deren Namen haben ja auch etwas …. mit der Bibel zu tun, denn sie heißen beispielsweise „Jeroboam“ (5 Liter, benannt nach dem König von Israel, 787 bis 747 v. Chr.), nach dem biblischen Urvater Methusalem (6 l) oder nach dem König von Babylon Nebukadnezar (605 bis 562 v.Chr.), das sind dann stolze 15 Liter! „Schon das Öffnen der Flasche kann ebenso zelebriert wie das gekonnte Servieren in Szene gesetzt werden“ schreibt augenzwinkernd der Weinkolumnist Peter Keller. „Etwas Show spielt halt gerade an einer Hochzeit auch mit. Und da eine Großflasche für mehrere Personen reicht, kommen alle in den Genuss des gleichen Weines. Das Behältnis sieht zudem dekorativ aus und lässt sich nach dem Genuss als einzigartiges Erinnerungsstück auf bewahren - selbstverständlich vom Brautpaar.“

Südtiroler Wein in der Magnum-Flasche? „Diese biblisch großen Flaschen haben den großen Vorteil“, schwärmt Martin Lemayr, der erfolgreiche Langzeit-Kellermeister von der Kellerei Schreckbichl mit (Wein)glänzenden Äuglein, „dass sich die Weine wegen der langsameren Oxydation viel länger entwickeln können.“ Die Trauben für den Chardonnay „Lafóa“ Magnum stammen von einer strengen Selektion aus Schreckbichler Terrassenlagen, die Rebanlagen stehen auf kargen Kiesel-Porphyrböden – ideale Voraussetzungen für einen nervigen, sehr mineralischen Weißwein. Wie bei allen Premiumweinen üblich sind auch bei diesem „Lafóa“ die Erträge sehr niedrig, dementsprechend muskulös und vollmundig präsentiert er sich bei der Verkostung. Den Most lässt Kellermeister Martin Lemayr teilweise in gebrauchten und in neuen französischen Barriques vergären. Natürlich war es eine Sünde, beispielsweise diesen lang-extrem-langlebigen Chardonnay „Lafóa 2015“ in der Doppelmagnum-Version schon jetzt zu öffnen! Wie lange lagern? – nun, Kellermeister Martin Lemayr wird ungefähr in 30 Jahren seine Goldene Hochzeit feiern …. und die Doppelmagnum „Lafóa 2015“, die müsste dann sicher noch ziemlich trinkig sein.

Als schon lange bekennende Vernatsch-Freunde setzen wir den kleinen Magnum-Spaziergang in Girlan fort: die Kellereigenossenschaft Girlan gehört seit über 50 Jahren zu den Vernatsch-Vorzeigekellereien. Im fantastischen Weinjahr 1961 erfand der damalige Obmann und Kellermeister Hartmuth Spitaler das „Fass Nr. 9“, eine Lagen-Selektion des besten Girlaner Jahrgangs-Vernatsch. Im damaligen Südtiroler „Vernatsch-Meer“ eine außergewöhnliche Pioniertat! Und ein hartnäckiger, (Wein)besessener Kellermeister wie Gerhard Kofler, der seit 2005 für den großen Aufschwung der Kellerei Girlan maßgeblich verantwortlich ist, füllt von den besten Vernatsch-Jahrgängen bis zur 5-Liter-Flasche hinauf. Das Lagerungspotential von Girlaner Vernatsch übersteigt oft jenes der besten Lagrein-Vertreter. Veilchen, Mandelaromen, Kirsche, die rote: ja, ziemlich betörend. Kein Kraftbolzen, begeistert er jedoch mit einem ausgewogenes Spiel von Gerbstoffen und Fruchtkomponenten. Noch ein bisschen mehr Substanz hat der Magnum-„Gschleier“ aus der Girlaner Lage gleichen Namens. Jeder Girlaner Vernatsch ist in seiner Jugend hart, kantig, manchmal geradezu abweisend - Stänkerer behaupten, dass auch die Girlaner selbst, wie ihr Wein, in jungen Jahren einen ziemlichen „Grint“, also harten Sturschädel haben -, bis sie mit fortschreitendem Alter langsam weicher und gemütlicher werden. Wie der Parade-Vernatsch „Gschleier“. „Gschleier“ und „Fass 9“ halten gut und gerne 20, manchmal auch mehr Jahre.

Wohl bekomms! Wir wünschen allen Gästen der VINUM-Hotels Südtirol ein glückliches Neues Jahr!
 
 
Der VINUM-Hotel Weinbrief im Februar:
„Wo soll ich rot, weiß, rosé einschenken?“ - Das perfekte Glas zum perfekten Wein

Früher wurde der Wein eher zu warm, heute wird er eher zu kühl serviert. Beides hemmt die optimale Entfaltung des Weines. Früher wurde der Wein in extrem dickwandigen, oft auch in bunten Gläsern eingeschenkt, die manchmal auch geschliffen oder geritzt waren, sodass man von den herrlichen Farbnuancen eines Weines nicht sehr viel erkennen konnte. „Wo soll ich rot, weiß, rosé einschenken?“ – Wie soll das perfekte Glas denn beschaffen sein, das zum perfekten Wein passt? Die Frage ist komplex und die Beantwortung geben in den VINUM-Hotels Südtirol erfahrene Sommeliers und Weinkenner. Am besten entfalten sich die Bukettstoffe eines Weines in Gläsern, deren Kelch sich an der Öffnung ein wenig verengt oder mindestens gleich groß bleibt. Farblose Gläser lassen die Farbe des Weines und seine Klarheit am besten erkennen. Je dünnwandiger das Weinglas, desto unmittelbarer und intensiver das Geschmackserlebnis – doch sind letztere im Hausgebrauch und im Gastgewerbe natürlich gewisse Grenzen gesetzt. Der VINUM-Hotels Südtirol Weinbrief im Februar ist den perfekten Weinen im perfekten Glas gewidmet!