Der Weinbrief im August - Edmund Mach

Der Mann, der vor 150 Jahren die Tiroler Weinlandschaft revolutionierte
1874 wurde in San Michele die landeswirtschaftliche Lehranstalt gegründet – unter der Leitung von Edmund Mach, dem herausragenden Önologen seiner Epoche. Mach war ein Glücksfall für das Trentino, für Südtirol und für die gesamte K.u.K.-Monarchie. Mach leitete die Renaissance im Tiroler Weinbau ein. Der VINUM-Hotels Südtirol Weinbrief im August ist dem genialen Weinpionier Edmund Mach gewidmet!
 
 
Wenn unsere (Wein-)Brust vor lauter Stolz bis zum Platzen anschwellt, weil wir hören oder lesen beispielsweise von einem Traminer Gewürztraminer, der 100-Parker-Punkte bekommen hat -, von einer Eppaner Weißwein-Cuvée, welche im schönsten Hotel Südenglands (Chewton Glen) für sage & schreibe 70 Pfund das Glas (!) angeboten wird – oder von einem alten Terlaner Chardonnay, der einen Ehrenplatz erhalten hat in der „Enoteca Pinchiorri“, dem Wein-berühmtesten 3-Michelin-Sterne-Restaurant Italiens, dann ist das alles nicht nur ein Verdienst unserer aktuellen Kellermeister-Generation. Nein, die blühende Rebenkultur und die florierende Süd- & Welsch-Tiroler Weinwirtschaft hat viel ältere Wurzeln. Vor über 150 Jahren war das Urteil der Fachwelt über unsere Weine tief gespalten -, einerseits erwähnt August Wilhelm Freiherr von Babo, Gründer und erster Direktor der Weinbauschule in Klosterneuburg (1860), unsere Weine sehr wohl in seinem Wein-Standardwerk, jedoch reiht er sie meistens …. unter die „geringen“ oder die „mittleren“ ein (>Lagrein liefert sehr dunkel gefärbte Rotweine, die sich hervorragend zum Verschnitt mit farbstoffarmen Rotweinen eignen<). Und ein seinerzeit weinbekannter Piefke, pardon: der Dr. Wilhelm Hamm lästerte in seinem Wein-Lehrbuch von anno 1865: „Der Rebsatz Tirols besteht nur aus saftigen, frühreifen Trauben (...). Die Qualität der Tiroler Weine ist sehr verschieden. Im Allgemeinen sind sie eher leicht, als geistig, natürlich rein und sehr gesund. Sie besitzen eine beträchtliche Menge eigentlicher Weinsäure, aber sehr wenig freie Säure; ganz fehlt es ihnen an Parfüm, häufig an Körper; sie sind meistens von geringer Haltbarkeit, daher auch die äußerst unbedeutende Nachfrage. (...) Der Bodenwein (wird in der Tiefebene auf feuchtem und fettem Erdreich erzeugt) ist sehr ergiebig, aber ohne Bouquet, dick und nicht haltbar. Rebsatz, Mostung, Kellerwirtschaft lassen überall zu wünschen übrig und sind Ursache, daß Tirol so viele schwache Säuerlinge erzeugt.“

Neun Jahre später wurde in San Michele die landeswirtschaftliche Lehranstalt gegründet – unter der Leitung von Edmund Mach, dem herausragenden Önologen seiner Epoche. Mach war ein Glücksfall für das Trentino, für Südtirol und für die gesamte K.u.K.-Monarchie (die nach dem Wegfall der Lombardei und des Veneto besonders nach füllig-würzigen Rotweinen aus Welsch- plus Südtirol „glúschtete“ ...). Mach leitete die Renaissance im Tiroler Weinbau ein: er regte die Einführung neuer Sorten aus Frankreich an, er entwickelte neue Methoden im Weinbau und im Keller und er unterstützte die den Händlern ausgelieferten Kleinbauern zur Gründung von Kellereigenossenschaften. Die Bauern lebten damals in schwierigen Verhältnissen, von Wohlstand war nur selten die Rede. Vor allem viele Trentino-Bauern wanderten aus oder mussten sich damit begnügen, in würdevoller Armut zu überleben. Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund erfand Edmund Mach als Institutsgründer von San Michele & als Wein-Pionier eine ganz neue Formel: zum ersten Mal wurde der Unterricht nämlich durch eine praktische Ausbildung im angrenzenden landwirtschaftlichen Betrieb ergänzt, wo die Schüler bei der anfallenden Arbeit viel für ihre zukünftige Praxis am elterlichen Hofe lernen konnten. Und wenn wir heute von bekannten (Cabernet Sauvignon, C. Franc, Merlot) und vielleicht weniger bekannten französischen Sorten (Petit Manseng, Petit Verdot, Grenache, Syrah) hören, die in exzellenten & hoch dekorierten Südtiroler Weinen enthalten sind, dann haben wir das Edmund Mach zu verdanken, der die Erforschung, Pflanzung & Verbreitung neuer, interessanter Rebsorten in unserem Gebiet begründet hat.
 
 
Der VINUM-Hotel Weinbrief im September:

Lagrein-Tasting – Renaissance des dunkelroten Südtiroler Urweines

Noch ist die Ahn-Rebe nicht gefunden, von dem Teroldego und Lagrein, die zwei kräftigsten Rotwein-Brüder unserer Region, abstammen. Gibt es ein Huhn? gibt es ein Ei? wer war früher da? – Unsere Trentiner Cousins verweisen auf eine önologische Studie ihrer Lehranstalt von San Michele, nach welcher der Lagrein vom Teroldego abstammt. Aber das ist eine lokalpatriotische Hypothese, sagen sogar dazu befragte Trentiner Kellermeister. Immerhin können wir uns darauf berufen, dass die urkundliche Erstnennung eines Lagrein – anno 1379, ungeklärt, ob ein weißer oder dunkler L. – vier Jahre älter ist als das erste Erscheinen des Wortes Teroldego (auf einem Schrieb aus dem Jahre 1383). 4 Jahre hin oder her: sagen wir, dass Teroldego und Lagrein Brüder sind, 2-eiige Zwillinge, damit können die Kellermeister von der Piana Rotaliana und von Gries, Auer und anderer Lagrein-Kleinlagen am besten miteinander leben. Der VINUM-Hotels Südtirol Weinbrief im September ist der Südtiroler Ur-Weinsorte Lagrein gewidmet!