Erntezeit - Weinlese - Verarbeitung der Trauben

Der neue Jahrgang
September 2016
Auf den heißen Jahrgang 2015, der allen Südtiroler Kellermeistern große Freude bereitet hat, folgten ein etwas nasserer und kühlerer Frühling und Sommer 2016. Das sind gute Voraussetzungen für frische, säurebetonte Weißweine. Für die länger am Rebstock reifenden roten Sorten sind ein trockener Spätsommer mit, was besonders für den Blauburgunder von Bedeutung sein wird, hoffentlich kühlen bis kälteren Nächten. Das Agrarjahr 2016 war im Winter gekennzeichnet von einem besonders milden Klima, was mitunter zur Besorgnis führte, dass die Ruhephase der Reben kurz und dass ein außergewöhnlich früher Knospenaustrieb zu erwarten wäre. Aber dann wurde das Wetter etwas kühler und niederschlagsreicher und der Austrieb erfolgte zwar früh, aber doch ein bisschen später als im Vorfeld befürchtet. Im Sommer wurde das Wetter merklich instabiler mit starken, im Juli und August sehr häufigen Regenfällen. Die Monate von Juni bis August waren nicht sonderlich warm und relativ feucht. Echter und falscher Mehltau machten den Weinbauern arge Probleme, zudem machte sich auch die japanische Fruchtfliege besonders beim Vernatsch bemerkbar.
 
 
„Wie wird der neue Jahrgang?“ Dazu wollen wir zwei renommierte Südtiroler Kellermeister befragen.

Markus Prackwieser ist einer der aufstrebenden Südtiroler Kellermeister der jungen Generation. Er bewirtschaftet den elterlichen Gumphof in Völs. Der Gumphof bzw. das ganze südliche Eisacktal ist klimatisch begünstigt von den südlichen Winden, von der „Ora“, die vom Gardasee am Nachmittag nach Norden bläst, während die Nächte allgemein eher kühler sind. Deshalb gedeihen am Gumphof der Sauvignon und besonders der Weißburgunder so gut. „Dieser Jahrgang erinnert sehr an den nicht ganz einfachen Jahrgang 2014. Für mich ist eine lange Vegetationsphase der Trauben außerordentlich wichtig, deshalb müssen wir auf einen günstigen Witterungsverlauf im September und Oktober hoffen. Denn: So wichtig für uns Weinbauern ein warmer Sommer auch sein mag - die wichtigste Phase ist die Zeit kurz vor der Ernte! Aufgrund der günstigen Windverhältnisse auf dem Gumphof bzw. in höheren Eisacktaler Lagen, sind die Trauben dort bis jetzt in einem guten Zustand. Ich erwarte mir ein gutes Weißweinjahr – bei den Roten müssen wir, wie bereits gesagt, auf warme Tage vor der Weinlese warten, bis wir etwas Genaueres sagen können.“

Seit 2005 ist der Möltner Wolfgang Tratter Kellermeister der Paulsner Genossenschaftskellerei. Nach den Lehr- und Lernjahren kam er als unbekanntes Weinblatt aus der Schweiz retour. Nur in den Laimburger Weintechnikerkreisen raunte es sich herum, dass er wohl zu den besten seines Lehrjahrganges gehört hätte. „Nach dem wechselhaften Sommerwetter dürfen wir uns wohl auf einen spannenden, sehr frisch-fruchtigen Weißwein-Jahrgang freuen. Ich persönlich bin ein großer Schaumwein-Liebhaber und eingedenk des vergleichbaren Jahrganges 2014 glaube ich sagen zu können, dass wir perfekte, säurereiche Grundweine einkellern werden, die zu einer fantastischen Sekt-Produktion nach dem klassischen Verfahren der Flaschengärung anregen werden. Vielleicht werden die Rotweine ein bisschen schlanker, jedoch auch ein bisschen eleganter ausfallen als im warmen Jahrgang 2015. Das wird besonders beim Blauburgunder auffallen, der ja in den letzten Jahren vermehrt für großes Aufsehen in der internationalen Weinwelt gesorgt hat. Kühle Nächte im Frühherbst sorgen in Südtirol dafür, dass die Blauburgunder-Beeren besonders aromatisch und mit feinem Gerbstoff ausgestattet sind.“
 
 
Vorschau auf die Vinum Hotels Weingeschichte im Oktober:

Törggelezeit - Wie haben sich der Most und der „Nuie“ im Laufe der Jahrzehnte verändert?
Das Törggelen (das Wort lässt sich ableiten von der traditionellen Kelter, die in Südtirol „Torggl“ genannt wird) gehört seit Jahrhunderten zur Südtiroler Herbsttradition. Sobald die Kastanien reif sind und der süße Most schon zu gären beginnt bzw. gerade einmal frisch vergoren als Neuwein, als „Nuier“, auf den Tisch kommt, herrscht Hochbetrieb in den Buschenschänken aller Südtiroler Weintäler. Im klassischen Weinmonat Oktober werden alte und neue Törggele-Gewohnheiten vorgestellt.